Obere Fabrik – Porzellan

Ab 1839 wurde in der oberen Fabrik durch die Firma „Jakob Ferdinand Lenz Nachfolger“ Porzellan produziert. Im Gegensatz zu Steingut werden die Ausgangsmaterialien zuerst tiefer gebrannt. Im zweiten, höheren Brand, sintert der Scherben glasartig zusammen und verbindet sich mit der Glasur. Im dritten Brand werden bei niedrigen Temperaturen, die mit verschieden Dekortechniken aufgebrachten keramische Farben und Gold, aufgebrannt. Porzellan ist kratzfest, wasserdicht und dünnes Porzellan durchscheinend. Porzellan ist daher edler und wertvoller als Steingut.

Ab ca. 1850 werden für Schwarzwalduhren Porzellanschilder hergestellt, die schon 1854 bei einer Industrieausstellung in München mit der große Denkmünze wegen des „vorzüglich schönen Porzellankörpers“ ausgezeichnet wurden. Eine sehenswerte Ausstellung zu den Porzellanuhren aus der Zeller Produktion wird im Heimatmuseum „Storchenturm“ gezeigt.

Das Kaffeeservice „Alt Zell“ mit seiner achteckig gebrochenen Form, dessen Kanten farblich abgesetzt sind, wird ab ca. 1860 sowohl in Steingut als auch in Porzellan bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gefertigt. Die Dekorationsfarben sind im Allgemeinen blau, rot oder golden. Die Dekore für Porzellan sind oft viel schlichter, filigraner und weniger raumfüllend als bei Steingut, um das weiße Porzellan selbst besser zur Geltung kommen zu lassen. Gerne wird auch ein Goldrand verwendet.

Aus Porzellan werden auch Briefablagen, Bildtafeln oder Plaketten gefertigt. Die Bilder auf den Porzellantafeln zeigten Genredarstellungen, wie den Hirsch im Walde, aber auch klassische Götterdarstellungen und besonders oft Blumenmotive. Gemalte Plaketten waren an den Grabkreuzen auf den Friedhöfen angebracht, die den Wetterbedingungen besser als Steingut trotzten.

Nach der Vereinigung der oberen mit der unteren Fabrik blieb die obere Fabrik bis 1942 die „Porzellanfabrik“ im Gegensatz zur unteren Fabrik, der „Steingutfabrik“. Georg Schmider übernahm 1907 erstmals die Produktpalette von Carl Schaaff unverändert. Die Firma Georg Schmider hatte besondere Farbstempel für Porzellane, die auf der Rückseite der Porzellanstücke zusammen mit einer handgeschriebenen Dekornummer aufgebracht waren. Selbst das strapazierfähige Wirtshausporzellan hat oft nur ein Emblem des betroffenen Gasthofs. Die Produktion von Porzellan, die 1942 kriegsbedingt aufgegeben wurde, wurde danach in Zell nie mehr aufgenommen.