Früher wichtig – heute nichtig

Vor etwa zwei Generationen war ein geheiztes Badezimmer mit fließendem Wasser und elektrischem Licht in ländlichen Gegenden in Deutschland noch nicht Standard. Für die häusliche Hygiene wurden Nachttöpfe, Spucknäpfe, Waschbecken, Heiß- und Kaltwasserkrüge und Dosen für Kämme und Seife benutzt. Die Zeller keramischen Fabriken deckten diesen Bedarf über mehr als ein Jahrhundert in vielerlei Variantent; über 150 sind bekannt.

Für die nächtliche Beleuchtung wurden Öllampen und Kerzenhalter in den unterschiedlichsten Ausführungen produziert. Die Kerzenhalter hatten oft eine zusätzliche Halterung für Zündhölzer, die in alten Katalogen als „Schwedenständer“ bezeichnet wurden. Der Name geht zurück auf das Zündwarenmonopol, das dem schwedischen Industriellen Ivar Kreuger von der Weimarer Republik als Gegenleistung für eine Staatsanleihe eingeräumt worden war.

Der Spinnradwasserbehälter wurde schon vor 1900 produziert. Der Napf war auf den Spinnwocken aufgesteckt und mit Wasser gefüllt. Das Wasser diente zum Anfeuchten der Finger beim Spinnen von Flachs, der durch das Befeuchten geschmeidiger wurde und sich leichter verspinnen ließ. Auf der Ansichtskarte mit dem Bild einer Spinnstube ist so ein Sprinnradwasserbehälter mehrfach zu erkennen.

Für die schriftliche Korrespondenz hatten die Zeller Fabriken unterschiedliche Schreibgeschirre im Angebot. Manche besaßen eine Ablage für Federn und Federhalter sowie abgedeckte Töpfchen für Tinte und feinen Sand zum Aufsaugen der überschüssigen Tinte auf dem Schriftstück.

Als Einrichtungsgegenstände waren auch Nacht- und Waschgeschirre in vielen Dekorvarianten kunstvoll verziert. Die Dekore für die Waschgeschirre wurden mit Männer- oder Frauennamen bezeichnet, die an der Unterseite der betreffenden Stücke unter Glasur aufgestempelt sind.