Töpfergeschirr und Ofenkacheln
Durch den Fund von figürlicher Keramik und Bruchstücken von Gefäßen aus gebranntem Ton auf allen Kontinenten dieser Erde ist nachgewiesen, dass die Herstellung von Keramik bis auf 25.000 – 20.000 Jahre v. Chr. zurückgeht.
Die Wahrnehmung, dass fette, feuchte Erde (Ton) bildsam ist, an der Luft getrocknet und durch Feuer gehärtet wird, war eine kulturhistorische Entdeckung.
Die Kunst, aus Ton Gefäße frei von Hand zu modellieren, ist eines der allerersten Handwerke, die der Mensch ausübte.
In allen Weltteilen entwickelt sich die Töpferkunst in ihrer typischen und eigenständigen Kultur.
Mit der Erfindung der Töpferscheibe vor 5000 Jahren konnte der Töpfer auf dem rotierenden Scheibenteller ein Tonklumpen mit beiden Händen zu Hohl- und Flachgeschirren in jede gewünschte Form aufdrehen.
Aus der handwerklichen Töpferkunst entstehen in Europa ab dem 8. Jhd. vielfältige keramische Erzeugnisse. Im 14. Jhd. werden im Kannebäckerland am Mittelrhein und in England dichtes Steinzeug gebrannt.
Neben der einfachen, glasierten und mit Engobe bemalten irdenen Töpferware, werden schon im 16.Jhd. weiß glasierte und bunte bemalte Fayencen, farbige Majoliken und reich modellierte und bemalte Ofenkacheln hergestellt.
In dieser Zeitepoche formen in Zell am Harmersbach, gelegen im Mittleren Schwarzwald, mehrere Töpfer (Hafner) Alltags- und Kochgeschirr, später auch Ofenkacheln. Tone und Quarzsand finden sie in der Umgebung.
1795 gründet der Hafnermeister Ferdinand Schreiber die Zeller Stadthafnerei. Seither üben 6 Generationen und 13 Familienmitglieder Schreiber das Keramikhandwerk aus.
Im 8. Jhd. wurde in China das edelste keramische Produkt, das Porzellan, erschaffen. Die Alchemisten Tschirnhaus und Böttger erfinden von 1707-1709 in Dresden und Meißen die Herstellungsweise des weißen, europäischen Hartporzellans.
Eine weitere technische Entwicklung von weißbrennendem Steingutgeschirr durch Josiah Wedgwood (1731-1795) ist wegweisend für die künftige keramische Entwicklung und maschinellen Herstellung.
In der Folgezeit entstehen im europäischen Raum zahlreiche keramische Manufakturen und Großfabriken zur industriellen Fertigung von Porzellan und Steingut.
Mit der Gründung einer bescheidenen Werkstatt zur Fayence-Herstellung durch den Hafner Josef Anton Burger im Jahr 1790 beginnt die Geschichte der Zeller Keramik. Burger legt den Grundstein zu einer erfolgreichen Steingut- und Porzellanfabrikation in Zell am Harmersbach, welche bis heute als Steingut-Manufaktur weitergeführt wird.