Obere Fabrik - Steingut
Die Produktion in den ersten 20 Jahren von Burger und Lenz orientierte sich ursprünglich am englischen Steingut, das mit weiß- oder cremefarbigem Scherben ausgeführt war. Eine Preisliste aus dem März 1818 listet bereits 118 unterschiedliche Positionen auf, die hauptsächlich Geschirr, aber auch spezialisierte Gegenstände wie Apothekerbüchsen betrafen. Noch im selben Jahr wurde eine Preisliste herausgegeben, in der der Name Burger gestrichen war. Beide Preislisten enthalten schon den Hinweis auf gemaltes Geschirr.
Das mit Kupferumdruck-Dekor verzierte Geschirr aus Zell fand seine Blüte im Biedermeier, dem Zeitraum zwischen Wiener Kongress (1814/1815) und Revolution (1848), war aber schon deutlich früher in England und Frankreich hergestellt worden. Für den Kupferumdruck wurde das Bild in eine Kupferplatte gestochen, die mit einer keramischen Farbe überzogen wurde, und sich nach dem Abwischen der Platte in den eingestochenen Vertiefungen sammelte. Ein Seitenpapier übernahm die Farbe als Negativ und gab es nach dem Auflegen an den saugfähigen, vorgebrannten Scherben als Positiv wieder ab, der danach glasiert und ein zweite Mal gebrannt wurde.
In Zell, wie auch in Schramberg und Hornberg, wurden in großem Maße Teller mit Ansichten von Städten, allegorischen Darstellungen und Genres für den Export in das nahe Ausland gefertigt, was heute noch an der Vielzahl schweizerischer Orts- und Umgebungsdarstellungen zu erkennen ist.
Auch ganze Services wurden gleichartig dekoriert. Vorherrschend waren die Farben grün, blau, schwarz, seltener braun. Bei den allermeisten Stücken ist auf der Unterseite der Blindstempel „ZELL“ eingeprägt.
Zur Zeit der Firmen Johann Ferdinand Lenz Nachfolger und Carl Schaaff wandelte sich der Geschmack der Kunden. Die wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen der Gründerzeit und späteren Kaiserzeit lassen sich auch in der Keramik verfolgen. Die Formen waren reliefiert und farbenreicher und oft mit Schleifen, Girlanden und Blumen verziert.