Vereinigte Zeller keramische Fabriken - ab 1907

1907 verkauft Karl Schaaff die obere Fabrik an Georg Schmider, der die beiden Fabriken zu Georg Schmider – Vereinigte Zeller keramische Fabriken vereinigt. Er erweitert damit seine Produktpalette um den Bereich Porzellan. Die Produktlinien für Steingut werden zusammengelegt. Die obere Fabrik wird die Porzellanfabrik, die untere die Steingut- und Majolikafabrik.

In den etwa 80 Jahren ihres Bestehens durchläuft die Firma alle Stadien der gesellschaftlichen Umwälzungen, die sich auch in der produzierten Keramik widerspiegeln.

Da sind die verschiedenen Stilepochen, wie der Jugendstil zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Idee, Kunst für eine breite Kundschaft in guter Qualität preiswert herzustellen, gilt auch für die allseitig glasierten Fliesen, die hauptsächlich in Möbeln als Zierelemente eingesetzt werden. Die Firma hat in dieser Zeit mehr als 50 unterschiedliche Motive auf Fliesen vermarktet. Schöne Beispiele sind im Heimatmuseum im Storchenturm ausgestellt. Der Jugendstil ist mit seinen Frauen-, Tier und Pflanzendarstellungen auf Vasen, Pflanzschalen, Dosen und Wandtellern zu sehen.

Er beeinflusst wie später Art Deco und Bauhausstil auch die Form und Dekoration der Tafelgeschirre aus Porzellan.

Zu Beginn des ersten Weltkrieges werden Teller mit nationalen Symbolen und Hoffnungsträgern dekoriert, aber schnell findet man ebenso realistische Darstellungen.  Zu allen Zeiten wurde in Zell auch Puppengeschirr als Spielzeug hergestellt, was entsprechend beworben wurde.

Für das Winterhilfswerk, das die Nationalsozialisten vor und im zweiten Weltkrieg ausbauten, wurde in Zell bevorzugt Teller und Anstecker produziert. Im Krieg ging die Entwicklung neuer Formen deutlich zurück, kam aber nicht ganz zum Stillstand, wie der Fischkrug zeigt.

Nach dem zweiten Weltkrieg trug der Export von Ziergeschirr und Wandtellern zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Im Jahr 1957 exportierte die Firma wieder in 85 Länder.

In den 1950er Jahren wurde Anneliese Beckh für fast drei Dekaden Chefdesignerin. Ihre ungewöhnlichen neuen Formen und Dekoren gaben dem neuen Lebensgefühl der Nachkriegszeit Ausdruck. Ihre Katzenvase und viele andere Vasen, Schalen und Kleinkeramik sind heute für Sammler aus der ganzen Welt interessant. In den 1970er Jahren wurden die Dekore etwas stilisierter.